ET VOCI in der ABSATZWIRTSCHAFT

07.09.2022 … ist Green Wednesday. Jeden Mittwoch veröffentlicht das führende deutsche Handels- und Marketing-Magazin ABSATZWIRTSCHAFT ( HANDELSBLATT Verlag) einen Newsletter rund um Nachhaltigkeits-Themen.

Bild: ABSATZWIRTSCHAFT / Die Probleme, die der Klimawandel im globalen Süden verursacht, strahlen bis hinauf in den Norden. ©Unsplash/Jonatan Pie

Zum 7. August ging es um den Globalen Süden und – unter anderem – um ET VOICI:

Es passiert selten, dass die absatzwirtschaft Post aus Benin bekommt – doch auch in Westafrika gibt es Leser*innen. In diesem Fall heißt der Leser Matthias Hoelkeskamp und arbeitete früher als Texter und Fotograf in Düsseldorf. Jetzt baut er in dem Dorf Wore nahe Benins größter Stadt Parakou eine Pionier- und Lernfarm namens Et Voici auf. Sie soll jungen Gründer*innen demonstrieren, wie nachhaltige Tierhaltung geht. „Vom Werber zum Geflügelwirt“, beschreibt Hoelkeskamp seinen Werdegang. „Es geht grob gesagt um Hühner, Nachhaltigkeit, Bildung, Tierwohl und Entwicklung.“ Also um ziemlich viel auf einmal, weshalb er dringend Kooperations- und Förderpartner sucht: „Uns fehlen vor allen Dingen Energie und Baustoffe, vernünftige Brutautomaten und eine Pelletpresse. Aber auch Kompetenzen und zielführende Kontakte sind willkommen.“

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natureOFFICE zu Besuch bei ET VOICI

Matthias Hoelkeskamp, Saka Mora, Safoura Ousmane

21./22.08.2022. natureOFFICE,  Pionier im Markt für freiwillige CO² Kompensation und Klimabilanzierung, besitzt das Vertrauen unzähliger großer und mittlerer Wirtschaftsunternehmen in Deutschland.

Mit einem breit gefächerten Serviceportfolio unterstützt natureOFFICE Unternehmen darin, Klimaschutz und Nachhaltigkeit strategisch im Unternehmen zu verankern und wirksam operativ zu machen. Unter anderem auch mit einem eigenen Klimaschutzprojekt  im westlichen Afrika.

Neben Waldschutz und Wiederbewaldung gibt es Projekte, die bäuerliches Wirtschaften und Flächennutzung auf Klimaeffekte  untersuchen und optimieren. Dieser Bereich korreliert direkt mit der für Afrika prognostizierten Bevölkerungszahl, die sich in nicht allzu ferner Zukunft nahezu verdoppeln wird. Das macht die Eindämmung vermeidbarer Klima- und Umweltnegativ-Effekte umso dringlicher!

Hier überschneiden sich die Interessen von natureOFFICE und ET VOICI, das sich als Pionier- & Lernfarm ähnlich für die in der UN-AGENDA 2030 deklarierten Nachhaltigkeitsziele stark macht. Wir haben deshalb regelrechte Freudensprünge gemacht, als uns natureOFFICE für den August einen Besuch ihres Mitarbeiters Saka Mora vorgeschlagen hat!

Am 21. Und 22. August war es soweit und wir hatten Gelegenheit, Herrn Saka Mora (der übrigens an der Universität Bayreuth Geografie und Umweltschutz studiert hat), ET VOICI vor Ort und im Gedankenaustausch näher zu bringen. Als next Step ist ein ET VOICI Gegenbesuch bei einem natureOFFICE Projekt in Togo vorgesehen. Dieser Besuch soll zu einem besseren Verständnis der Themen und Arbeitsweisen des deutschen Klima- und Nachhaltigkeits-Akteurs beitragen und einen vertiefenden Austausch ermöglichen.

Beratungs-Power aus Deutschland

16.08.2022 / MANAGER-OHNE-GRENZEN (Deutschland) und ET VOICI (Bénin) unterzeichnen Beratungsvertrag.

Unabhängigkeit statt Charity! So etwa lässt sich das Credo der deutschen Stiftung MANAGER-OHNE-GRENZEN auf den Punkt bringen.

Damit sprechen uns die Stiftungs-Manager aus dem Herzen: ET VOICI will wirtschaftlich autonom werden, als soziales Unternehmen für Innovation und Ausbildung in der Landwirtschaft.

„…Rund 150 Projekte in mehr als 30 Ländern hat Manager ohne Grenzen seit seiner Gründung schon durchgezogen. Und es hat sich deutschlandweit ein fester Stock von 30 bis 50 Managern gebildet, die jedes Jahr mitmachen. Die Idee ist simpel: Betriebs- oder Volkswirte aus kleinen oder mittleren Unternehmen oder Verbänden – vorzugsweise Führungskräfte oder auch Nachwuchsführungskräfte – arbeiten für vier Wochen bis maximal drei Monate in Afrika oder ärmeren Staaten Süd- und Ostasiens, um dort ihre Kenntnisse weiterzugeben …“

Stuttgarter Zeitung

Von MANAGER-OHNE-GRENZEN erwarten wir uns ganz klar Tipps aus der Werkzeugbox des Business-Engineerings. Aber auch wertvollen Input für Kooperations-Anbahnung und Fundraising. Denn auf dem anspruchsvollen Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit stehen einige kostenhinterlegte Meilensteinen. Die müssen erst noch erreicht werden, bevor der Plan von der wirtschaftlichen Unabhängigkeit wahr werden kann. Kurz: Wir sind gespannt, wer und was zum Jahresende in Persona einer Mangerin / eines Mangers auf uns zukommt.

Denn so arbeitet die Berater-Stiftung: Der Berater kommt als externer Mitarbeiter für einen Zeitraum von 4 bis zu 12 Wochen ins Projekt. Die Beratungsleistung findet unentgeltlich statt, das Projekt kommt für Unterbringung und Verpflegung sowie für Mobilitätskosten vor Ort auf.  Abhängig vom positiven Ausgang einer nach 6 und 12 Monaten durchgeführten Evaluation, erhält das Projekt ein Exzellenz-Zertifikat.

Neuer Video-Steckbrief

Der neue Video-Steckbrief hat das Poule Bicyclette zum Gegenstand. Das Poule Bicyclette ist genau genommen keine Rasse, sondern ein Sammelbegriff für ursprüngliche westafrikanische Landschläge.

Video Steckbrief Poule Bicyclette

Das Wald-, Wiesen- und Straßenhuhn ist ein robuster, auch unter schwierigen Bedingungen überlebensfähiger Selbstversorger. Soweit man das Huhn laufen lässt, sucht es sich sein Futter selbst. Dann ist es trotz vergleichsweise langsamem Wachstum und geringer Legeleistung auch wirtschaftlich interessant. Natürlich freut sich das Bicyclette über Zufütterung und kehrt von Mais und Hirse angelockt gerne in den heimatlichen Stall zurück.

Politisch betrachtet stellt das Poule Bicyclette eine afrikanische Unabhängigkeits-Erklärung dar: Die heute afrikaweit verbreiteten Broiler und Legehühner gehen sämtlich auf Hybridhühner zurück, deren Erzeugermarkt sich fest in den Händen internationaler Akteure befindet.

Der kurze Steckbrief bricht eine Lanze für das afrikanische Huhn, das aus unserer Sicht auch eine bewahrenswerte, genetische Arche Noah für die weltweite Hühnergemeinde darstellt.

Hybrid oder Rassehuhn?

Als Rassehühner bezeichnet man in der Auswahlzucht auf definierte Merkmale – Morphologie, Befiederung, Gewicht, Legeleistung usw. – verpaarte Hühner, die ihre Elterntier-Eigenschaften auf die nachfolgende Küken-Generation übertragen.

Der Westfälische Totleger zählt trotz Legeleistung zu den bedrohten Haustierrassen

Anders Hybridhühner: Bei ihnen handelt es sich um Kreuzungsprodukte aus einigen wenigen Hühnerrassen. Hybridhühner besitzen die gewünschten Eigenschaften – gesteigerte Legeleistung oder Gewichtszunahme – nur in der jeweiligen Kükengeneration.

Aufspalten des Erbgangs

Legt man die Eier dieser Hühner zur Weiterzucht in den Brüter, spalten sich die genetischen Eigenschaften im Erbgang unkontrolliert wieder auf. Im Ergebnis erhält man eine Palette unterschiedlicher Hühner-Unikate. Die resultierenden Küken haben mit der Hybridgeneration nicht mehr viel gemeinsam: Die mit bis zu 300 Eiern im ersten Jahr extrem hohe Legeleistung der Legehybriden und das Rekord-Wachstum der Broiler sind in der Nachzucht nicht reproduzierbar. Gut für die Produzenten solcher Hybridhühner, weil man immer neue Küken kaufen muss!

Hühner vorm Burnout

Leider erschöpfen sich die Legehybriden innerhalb von ein oder maximal zwei Legeperioden und die ausgepowerten Hühner eignen sich bestenfalls zum Suppenhuhn. Für Broiler gilt die Devise „live fast, die early“. Versäumt man den vorgesehenen Schlachtzeitpunkt, werden die Tiere krank.

Weil wir ja alle nicht in einer idealen Welt leben, kann es trotz dieser Argumente und Einwände Situationen geben, in denen man aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen eine Entscheidung zugunsten der Hybride trifft oder treffen muss.

Totleger und Kennhühner

Wir bei ET VOICI haben uns für zunächst zwei Hühnerrassen entschieden, die bei uns die Eier legen. Es handelt sich dabei um das solide Zweitnutzungshuhn Bielefelder Kennhuhn und um den Westfälischen Totleger. Letzterer übrigens ein ausgesprochen schönes und spannendes Tier – der Totleger hat eine lange Geschichte und soll vom sogenannten Türkenhuhn abstammen. Trotz seiner mit bis zu 230 Eiern pro Jahr tollen Legeleistung zählt der Totleger zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen.

Wir sind gespannt, wie sich unsere Totleger unter den hiesigen westafrikanischen Bedingungen schlagen – die Tiere sind zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages ca. vier Monate alt.

Huhn oder Ei?

Wer war zuerst da – das Huhn oder das Ei? Bei uns war es weder das eine noch das andere. Bei uns setzt ein zufällig gefundenes, mutterloses Küken den Nullpunkt.

Sein Name: Stefanie. Wie sich später herausstellte, war Stefanie eigentlich Stefan – und der ihm zur Seite gestellte Franklin (links im Bild) sollte sich als gleichgeschlechtlicher Counterpart zum besten Freund mausern.

Stefan und Franklin sind heute leider Geschichte. Eine heimtückische Grippe hat ihrem viel zu kurzem Leben ein frühes Ende bereitet.

Beste Freunde für immer

Die beiden Amigos sind aber nicht ohne Nachwuchs geblieben. Heute bevölkern ca. dreihundert Hühner unterschiedlicher Rassen und Landschläge acht Ställe und Kükenkrippen. Demnnächst, nach erfolgtem Umzug aus dem Hinterhof in die neuen Hühnerställe der Farm, werden es noch mehr werden – dank guter Pflege und Versorgung sind Stefans und Franklins Nachfolger*innen sehr reproduktiv.